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Vorsorgen

Auszahlung der betrieblichen Altersvorsorge: Vorsicht Falle!

Thorsten Schierhorn
von Thorsten Schierhorn, 08.03.2021

Endlich geht es in den Ruhestand. Mal sehen, was es noch alles zu entdecken und zu erleben gibt. Am nötigen Kleingeld sollte es nicht scheitern. Schließlich haben Sie zusätzlich zur Rente auch noch eine Betriebsrente. Aber dann das böse Erwachen: Sie bekommen gar nicht die Summe, die Ihnen in Aussicht gestellt wurde. Warum wie viel wofür abgezogen wird, lesen Sie hier.

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In der Ansparphase fördert der Staat

Wie von der Politik empfohlen, zweigen viele Arbeitnehmer*innen einen Teil ihres Gehalts für eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) ab. Häufig wandert das Geld dazu in eine sogenannte Direktversicherung. Diese Versicherung schließt der Arbeitgeber für seine Angestellten ab. Die Beiträge zieht er ihnen in der gewünschten Höhe direkt vom Bruttogehalt ab. Das so angesammelte Kapital erhalten sie dann später als Betriebsrente.

Der Staat fördert diese Form der Altersvorsorge: Für den Teil Ihres Gehalts, das in die Versicherung fließt, verlangt er keine Steuern und auch keine Sozialabgaben. Zumindest dann, wenn Ihre monatlichen Beiträge eine bestimmte Höhe nicht überschreiten. Die wird jedes Jahr neu festgelegt. 2021 sind bAV-Beiträge bis 568 Euro monatlich steuerfrei. Sozialabgaben zahlen Sie allerdings bereits für alles, was über 284 Euro liegt. So viel von Ihrem Gehalt können Sie also direkt und brutto zur Seite legen beziehungsweise für die Betriebsrente ansammeln. Das klingt erst einmal attraktiv.

Nicht alles, was draufsteht, ist auch drin

Einmal im Jahr erhalten die Sie einen Versicherungsbescheid von ihrem Direktversicherer. Darin steht die zu erwartende Auszahlung zu Rentenbeginn. Im Laufe der Jahre kann sich da einiges anhäufen. Was in den Schreiben nicht erwähnt wird: Mit dem ausgewiesenen Betrag können Sie nicht planen.

Denn auch von der Betriebsrente müssen Sie Kranken- und Pflegeversicherung bezahlen. Die Sozialabgabenlast wird also lediglich in die Zukunft verschoben. Was Sie beim Ansparen an Sozialabgaben sparen, zahlen Sie später nach. Und: Die Sozialabgaben müssen Sie komplett aus eigener Tasche blechen – also auch den Teil, den normalerweise Ihr Arbeitgeber übernommen hätte. Aber den hat er sich jetzt gespart, weil auch für ihn keine Sozialabgaben anfielen. Zum Ausgleich muss der Arbeitgeber 15 Prozent auf Ihre Versicherungsbeiträge zuschießen (bei bAV-Verträgen ab 2019; bei älteren Verträgen gilt diese Zuschusspflicht erst ab 2022).

Die „normale“ gesetzliche Rente ist da attraktiver. Hier zahlen die meisten Rentner*innen nur den halben Krankenkassenbeitrag, und viele private Renten sind sogar gänzlich befreit.

Ein älteres Paar sitzt auf dem Sofa und betrachtet fassungslos ein Schreiben.
© istock/FluxFactory/2019  Bei der Auszahlung der betrieblichen Altersvorsorge erleben viele Rentner*innen eine böse Überraschung.

Die Politik hat nachgebessert

Bis 2020 galt: Sobald die Höhe der Betriebsrente über einer bestimmten Freigrenze lag, wurden die Sozialbeiträge auf die gesamte Betriebsrente fällig. Das bedeutete: Rund 18 Prozent wurden wieder abgezogen. Vielen Sozialverbänden war diese Regelung ein Dorn im Auge. Vor allem, weil diese Sozialabgabenpflicht rückwirkend eingeführt wurde, also auch für Verträge galt, die vorher abgeschlossen worden waren. Mit einer der anderen Möglichkeiten für die Altersvorsorge wären viele Sparer*innen besser gefahren.

Mittlerweile ist die Politik zurückgerudert: Eine Reform entlastet seit 2020 die Betriebsrentner*innen deutlich. Statt der Freigrenze gibt es nun einen Freibetrag. Der Unterschied: Nicht für die gesamte Betriebsrente, sondern nur für den Teil der Betriebsrente, der über diesem Freibetrag liegt, werden Krankenkassenbeiträge fällig. Der Freibetrag wird regelmäßig angehoben, im Jahr 2021 beträgt er 164,50 Euro. Für die Pflegeversicherung müssen Sie allerdings weiterhin den fälligen Satz auf die gesamte Betriebsrente zahlen.

Beispiel: Sie bekommen eine Betriebsrente von 200 Euro. Nach alter Regelung hätten Sie davon mindestens 17,9 Prozent Sozialabgaben abführen müssen (14,6 Prozent für die Krankenkasse plus eventuellen Zusatzbeitrag sowie 3,3 Prozent für die Pflegeversicherung; Stand: 2021). Und zwar auf die gesamten 200 Euro, also 35,80 Euro. Nach dem neuen Modell bleiben 164,50 Euro frei von Krankenkassenbeiträgen. Diese werden also nur noch für die 35,50 Euro fällig, die Ihre Betriebsrente über dem Freibetrag liegt. Das macht 5,18 Euro plus möglichen Zusatzbeitrag. Hinzu kommen 3,3 Prozent von der gesamten Betriebsrente für die Pflegeversicherung, also 6,66 Euro. In diesem Beispiel sparen Sie mit der neuen Regelung knapp 25 Euro.

Übrigens: Wenn Sie in einer Privaten Krankenversicherung (PKV) sind, gibt es keine Abzüge von der Betriebsrente. Der Beitrag zu einer PKV ist nämlich unabhängig von Ihren Einkünften. Aber auch hier müssen Sie als Rentner*in den bisherigen Arbeitgeberanteil selbst übernehmen.

Was ist bei einer Einmalauszahlung?

Was ist bei einer Einmalauszahlung?

Wenn Sie sich Ihre angesammelte Betriebsrente auf einen Schlag auszahlen lassen, gilt: Die Abgaben werden über zehn Jahre gestreckt. Das bedeutet, die Krankenkasse berechnet die Summe, die Sie zehn Jahre lang monatlich bekommen hätten. Für diesen Betrag bezahlen Sie dann jeden Monat die Sozialabgaben.

… und Steuern sind auch noch fällig

Für die Auszahlung aus der betrieblichen Altersvorsorge gilt der individuelle Steuersatz der Rentner*innen. Das kann für sie oder ihn gut sein. Denn in Deutschland gilt: Je höher das Einkommen, desto mehr Steuern muss man darauf zahlen. Nun ist die Rente in der Regel niedriger als das ehemalige Arbeitseinkommen. Deshalb werden dafür meistens weniger Steuern fällig, als man zuvor mit den Beiträgen zur baV gespart hat. Zusätzlich profitieren Rentner*innen von Steuerfreibeträgen – die allerdings in den kommenden Jahren schrittweise abgebaut werden.

Wenn Sie genau wissen möchten, wie in Ihrem konkreten Fall die Auszahlung aus der betrieblichen Altersvorsorge besteuert wird, wenden Sie sich am besten an eine Steuerberatung. Einen Anhaltspunkt gibt aber auch der Steuerrechner des Bundesfinanzministeriums.

Auszahlung betriebliche Altersvorsorge: Ein Mann sitzt mit Taschenrechner und Laptop am Tisch und berechnet etwas.
© istock/Deagreez/2018  Auszahlungen aus der betrieblichen Altersvorsorge müssen versteuert werden.

Keine vorzeitige Auszahlung der betrieblichen Altersvorsorge

Auch wenn sich im Laufe des Lebens Situationen ergeben können, in denen man das Geld aus der betrieblichen Altersvorsorge gut gebrauchen könnte: Eine vorzeitige Auszahlung ist vom Gesetzgeber ausgeschlossen. Schließlich soll die Betriebsrente ja dazu dienen, Altersarmut zu vermeiden und wird deshalb gefördert. Über die betriebliche Altersvorsorge kann jede Person erst verfügen, wenn der gesetzlich gültige Rentenbescheid vorliegt.

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